{"id":5127,"date":"2023-05-11T13:02:41","date_gmt":"2023-05-11T11:02:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/?page_id=5127"},"modified":"2023-06-12T17:07:21","modified_gmt":"2023-06-12T15:07:21","slug":"jubilaeum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/jubilaeum\/","title":{"rendered":"Jubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<div  class='flex_column av-2f6m2f-7a8e13f44b4bdf25b2fd7e32a43f1778 av_one_full  avia-builder-el-0  avia-builder-el-no-sibling  first flex_column_div  '     ><section  class='av_textblock_section av-lhj0u1v1-06206005c2cd4564e23a91ca2411497a '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><h1 class=\"Normal\"><strong><span class=\"tm5\">Eine Steilvorlage von Werner Hofmeister zum Jubil\u00e4um des Museums f\u00fcr Quellenkultur<\/span><\/strong><\/h1>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\">Hubert Matt 2023<\/span><\/p>\n<\/div><\/section><br \/>\n<section  class='av_textblock_section av-lhj0vmp4-fd522110ec5a3a78b34dd97e3a75035d '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Jedes Bild ist ein Bild \u00fcber ein(em) Bild<\/strong>, aber dieses Bild, das Hofmeister verschickt hat ist ein mehrfacher Ausschnitt, eigentlich ein Passepartout. Der Begriff steht f\u00fcr einen Karton als erster Rahmen im zweiten Rahmen f\u00fcr ein Bild aber auch f\u00fcr einen Generalschl\u00fcssel, der sofort und \u00fcberall in alle Schl\u00f6sser passt. Der Grund der Bilder ist nicht leer. Das ist eine Illusion, wir beginnen nicht mit einem wei\u00dfen Blatt, das Blatt ist voll mit anderen Bildern, wie das Jaques Derrida, wenn ich mich recht erinnere, schon beschrieben hat. Der Grund f\u00fcr die Bilder ist ein Abgrund und wohl oft ein M\u00fcllhaufen der Bilder.<\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Insofern ist die Vorlage von Hofmeister der Normalfall<\/strong>, nur, wir sehen es zumeist nicht. So handgreiflich ist es nur selten. Es ist etwas vorweggenommen, das noch nicht gekl\u00e4rt ist. Was macht er? Hofmeister schickt seinen befreundeten K\u00fcnstler:innen eine Arbeit von sich in entsprechend hoher Auflage. Eine Metallplatte mit vier Ausschnitten. Die L\u00f6cher, die Ausschnitte sind dort, wo die Augen, die Nase und der Mund in einem Gesicht situiert sind. Als w\u00e4ren diese Sinne die Fenster zur Welt, als w\u00fcrde hier erste ein Bild, ein Sinneseindruck entstehen. Die Maske, das Gesicht ist also eine leere Form. Mach mit dieser Vorlage etwas! So die Aufforderung des K\u00fcnstlerfreundes, dem die Gratulationen seiner Freunde mehr bedeuten als alle anderen Gaben zum Jubil\u00e4um. <\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Wie aber umgehen mit dieser Vorlage<\/strong> \u2013 wie nach diesem Zuspiel ein Tor schie\u00dfen? Wir sind auf einem Spielfeld. Ich in doppelter Rolle, als einer der die Vorlage bekommen hat, als K\u00fcnstler und als Theoretiker, der jetzt \u00fcber dieses Spiel S\u00e4tze schreiben soll. S\u00e4tze \u00fcber was? Das Verschicken einer Vorlage ist in der Arbeitsweise ihm nicht fremd, in den 80er-Jahren versendete er Fr\u00f6sche aus ungebranntem Ton an Kollegen und bat sie, diese zu k\u00fcssen, sie kamen unterschiedlich verformt wieder zur\u00fcck, sie waren also oft kaum wiederzuerkennen. Wird Hofmeister diesmal die Vorlage, seine Arbeit wiedererkennen, nachdem wir alle uns dar\u00fcber gemacht haben? Nach einigen \u00dcberarbeitungen sah er sein Gesicht hinter den Masken, wie er es nannte, noch. Nach Vorlagen und Vorgaben zu arbeiten ist Hofmeister selbst nicht fremd. Die Aneignung des Gegebenen ist ein Kern in seinem k\u00fcnstlerischen Verfahren. Der Quellekatalog war ihm gegeben, als seine Quelle etwa. Gerade die Akzeptanz einer Vorlage ist eine Herausforderung, die anspornt. <\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Gibt es \u00fcberhaupt eine Arbeit ohne Vorgabe?<\/strong> Wohl nicht. <\/span><span class=\"tm5\">Der eine w\u00e4hlt einen Baum in seiner visuellen oder materiellen Pr\u00e4senz, die andere einen Berg, jemand Personen, jemand das Meer oder eine Schale mit Obst und andere ihre Emotionen oder die Grundelemente des Bildes. Es gibt also letztlich keine abstrakte Kunst, sie ist immer auf Existierendes bezogen, immer in einem gewissen Sinn realistisch, ja naturalistisch. Nur, was das Reale ist, darin unterscheiden wir uns, was das Relevante ist usw. Uns ist aber nicht nur das Wirkliche gegeben \u2013 lassen wir diesen Begriff einfach einmal zu \u2013 uns ist auch das Symbolische gegeben. Jetzt wandeln wir auf den Spuren der zentralen Begriffe von Jaques Lacan, wollen es aber mit dieser Andeutung belassen. Es g\u00e4be bei ihm noch den Begriff des Realen, dessen war unter allem liegt und nur selten zum Vorschein kommt und nicht wirklich fassbar ist, das uns letztlich in den Abgrund blicken l\u00e4sst. <\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Wir haben also neben der Welt auch die Bilder der Welt als Vorgabe, als Vorlage<\/strong> \u2013 erst recht, wenn wir uns von diesen abgrenzen. Wir arbeiten \u00fcber Vorgaben, die wiederum Vorgaben von Arbeiten sind und sein werden. Den Vorgaben ist nicht zu entkommen. Dem Geworfensein, dem Objektsein, wie das Judith Butler oder Marcus Steinweg wohl formulieren w\u00fcrden. <\/span><span class=\"tm5\">Wer behauptet schon \u2013 ich weiche jetzt ab \u2013 dass dieses Rechteck mit vier Auslassungen ein Gesicht sei? Es ist keines, es spricht nicht, es sieht, schmeckt und riecht nichts. WIR sehen ein Gesicht, ein einfaches, einen Kopf, wenn wir die Ausschnitte als unser Sensoren interpretieren. Es k\u00f6nnte auch eine Maske f\u00fcr ein technisches Verfahren sein oder eine Abdecke f\u00fcr ein Ger\u00e4t. Dieses Verhalten, eine Form oder gar ein Gesicht zu sehen, in Wolken oder anderen Gebilden, hat einen Fachausdruck, es nennt sich Pareidolie. <\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Wir kommen nicht umhin, bei der gr\u00f6\u00dften Abstraktion eine Referenz zur Welt zu suchen, zu uns.<\/strong> Und jetzt legt uns der Freund, der K\u00fcnstler diese Maske auf den Arbeitstisch. Schau nicht nur hin, arbeite, sagt er uns. Mach dich ans Werk, nimm das als Grund(lage) deiner Arbeit, spricht \u00fcber meinen Text, mein Bild dar\u00fcber, \u00fcberlagere es. Wenn wir diese Arbeit tats\u00e4chlich als Maske betrachten wollen, dann ist es die Umdrehung einer Maske, hier wird deutlich gezeigt, was eine Maske eigentlich verbergen will, die Augen, die Nase, den Mund, also alles andere als eine Anonymisierung ist der Fall. W\u00fcrden wir diese Maske aufsetzen, dann w\u00e4ren die zentralen Elemente des Gesichtes in einer geometrischen Figur, einem Rechteck, gerahmt, zur Schau gestellt, Augen, Nase und Mund w\u00fcrden zum Bild werden. Zeig mir dein Gesicht! Zeig mir dein Gesicht, indem du \u00fcber diese Maske arbeitest, sie als Vorlage nimmst, als den Grund eines Bildes, einer Arbeit von dir. Hofmeister l\u00e4dt uns ein, unser Gesicht zu zeigen zum Jubil\u00e4um des Museums f\u00fcr Quellenkultur.<\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Wie k\u00f6nnen wir reagieren, agieren?<\/strong> Wir k\u00f6nnen die Vorlage ignorieren, wir tun einfach so, als w\u00e4ren die Aussparungen, die L\u00f6cher nicht da, als w\u00e4re der Bildgrund neutral. Wir k\u00f6nnten die L\u00f6cher zu stopfen, damit h\u00e4tten wir unsere Unterlage geschaffen und k\u00f6nnten scheinbar tun, was wir wollen, als h\u00e4tten wir nicht st\u00e4ndig Bilder schon als Projektionen auf den Gr\u00fcnden der Bilder. Wir k\u00f6nnen ablenken von den L\u00f6chern, wir k\u00f6nnen sie als Passepartout nutzen und etwas dahinter legen, etc. Wir k\u00f6nnen ein Spiel beginnen, du bist da, du bist weg, ich bin da, ich bin weg. Wir werden in der Ausstellung die verschiedenen Formen des Umgangs mit der Vorlage sehen. Damit verf\u00fchrt Hofmeister seine Freunde dazu ihr Gesicht zu zeigen. \u00dcber die Maske kommt der Freund zu sich und zu ihm und zu uns.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\">In Wikipedia <strong>lesen wir zu Person<\/strong>: \u201eDas Lehnwort Person stammt vermutlich aus dem altgriechischen Wort f\u00fcr das \u201ewas man sehen kann\u201c, also Gesicht, Antlitz oder sichtbare Gestalt des Menschen (altgriechisch \u03c0\u03c1\u03cc\u03c3\u03c9\u03c0\u03bf\u03bd prosopon), wo die Einheit des Bewusstseins, des Denkens, Wollens und Handelns ihren Ausdruck findet. Auch die Herkunft aus dem etruskischen \u201ephersu\u201c, das als Beschriftung einer Darstellung eines Zuges Maskierter gefunden wurde, gilt als m\u00f6glich.[3] Die Ableitung aus dem Etruskischen (mit der Bedeutung \u201eMaske\u201c, \u201emaskierte Figur\u201c oder \u201eMaskierter\u201c) wurde unter anderem von der Duden-Redaktion \u00fcbernommen.\u201c Also hat die Maske etwas mit den Personas der Freunde zu tun. Aber gerade das, was man sehen kann, die Gestalt, die Augen etc. sind bei Hofmeister einerseits auf ein Rechteck reduziert, andererseits eben ausgespart, gerahmt. W\u00fcrden wir ein Selbstportr\u00e4t, gleichsam als Gl\u00fcckwunschkarte auf die Grundlage malen, wir m\u00fcssten die Augen, die Nase und den Mund aussparen, wir w\u00e4ren \u00fcber dieses Bild nicht zu erkennen. Insofern sind wir gleichsam gezwungen \u00fcber eine andere Geste erkennbar zu werden als Freunde, als Gratulanten. Die Person ist also unkenntlich, sie ist nur Maske, nur Form. Kenntlich wird sie nur \u00fcber die anderen, \u00fcber deren Intervention. Das Ich ist also nur \u00fcber das Du, als Mit-Sein, was es ist, so hat es Martin Buber formuliert, so spricht auch Jean Luc Nancy: \u201eAber \u201aSelbst\u2018 gibt es nur aufgrund eines \u201aMit\u2018, das es in Wahrheit strukturiert\u2026\u201c (J. L. Nancy: singul\u00e4r plural sein, Z\u00fcrich, 2004, Seite 142). Und dieses Mit ist bei Nancy letztlich die Welt, alle Beziehung von Uns und anderen und zu Anderem, also zur Natur etc. St\u00e4ndig ist das Gesicht in Gefahr aufgel\u00f6st zu werden, \u00fcberlagert zu werden. Dabei ist es gerade diese Gefahr, die es zu dem macht, was es ist. Nur wo wir uns der Gefahr der Aufl\u00f6sung, der Aufl\u00f6sung der Ordnung aussetzen, entsteht, was wir Subjekt nennen k\u00f6nnten, Person vielleicht.<\/span><\/p>\n<p class=\"Normal\"><span class=\"tm5\"><strong>Hofmeister l\u00e4dt uns zum 20. Geburtstag des Museums<\/strong> dazu ein, an der Geburtlichkeit des Gesichts, damit des Subjekts \u2013 letztlich immer als K\u00fcnstler \u2013 teilzunehmen. Eine Maske, die zeigt, was sie verbergen m\u00f6chte, wird \u00fcberlagert und zeigt damit die Anderen, die jeweils Anderen, die das Eigene erst bilden k\u00f6nnen. Wir arbeiten ausgehend von Vorgaben, die wir selber auch sind, \u00fcber Vorgaben, zu anderen Vorgaben und versuchen das Gegebene als das unsere zu behaupten, Strategien der Aneignung, der Abgrenzung etc. zu finden. Die \u00dcberarbeitung einer Vorlage, auch der eigenen, die Transformation macht bei Hofmeister beinahe unersch\u00f6pfliche Runden. Die Maske, das Gesicht oder der Kopf, wie er es auch nennt, vervielf\u00e4ltigt sich bei ihm oft, wird zum Muster damit, zu anderen Figuren, im Flachen, also zur Grafik, zur Stempelarbeit \u2013 wo sich das Bild (das Gesicht) wieder aufzul\u00f6sen beginnt \u2013 oder im Volumen, also zur Plastik. Einige K\u00f6pfe werden zum K\u00f6rper und dieser macht einen Kopfstand, als w\u00e4ren wir im Gesamten ein Ensemble solcher Masken. Diese Arbeiten sind zugleich mit den \u00dcberarbeitungen der Vorlage durch die Freunde im Museum zu sehen. Voraussetzungslosigkeit ist eine Illusion, mit Voraussetzungen Aneignungsversuche zu machen, ist eine Kunst, letztlich jene der Existenz. Das ist Kopfarbeit und Handarbeit zugleich. Wir sind in einem Dialog von Feldern, leeren und vollen, wir werden in der Ausstellung Hofmeister und seine Freunde sehen, wir sehen sie als seine Freunde, weil seine Vorgabe, als Gabe, immer pr\u00e4sent sein wird. Wer wird wen erkennen? Es wird ein Fest sein.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/div><\/section><\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5127","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5127"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5127\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5167,"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5127\/revisions\/5167"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.qnstort.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}